Von Vientiane, der laotischen Hauptstadt, hatte ich im Vorfeld wenig Gutes gehört. Es gebe nichts Interessantes und überhaupt sollte man möglichst wenig Zeit dort verbringen. Bislang hatte ich mit Hauptstädten, die andere Reisende für wenig attraktiv halten, jedoch immer gute Erfahrungen gemacht, so dass ich mich davon nicht abhielten ließ. Und auch Vientiane enttäuschte mich nicht. Sicherlich, die Stadt bietet keine herausragenden Sehenswürdigkeiten, aber es gab genügend kleinere für mich zu entdecken. Außerdem freute ich mich über ein vielfältiges Angebot internationaler Restaurants und guter Cafés.
Als erstes machte ich einen Spaziergang durch die Stadt, der mich zum Patuxai, Pha That Luang und diversen Wats = Tempel führte. Es war ein lauer Sommerabend und viele Laoten nutzten das angenehme Wetter, um laufen zu gehen oder Fußball zu spielen. Das wäre in vielen Ländern nicht weiter erwähnenswert, aber in Laos habe ich bislang nur eine sehr schäbige Badminton-Halle gesehen und einmal ein paar Kinder beim Fußball spielen. In Vientiane gibt es sogar mehrere Fitness-Studios und ein öffentliches Schwimmbad mit einer 25m Bahn – wahrscheinlich die einzige Anlage dieser Art im ganzen Land. Trotz schlechter Bedingungen hat es das Land geschafft, 2016 zwei Schwimmer zu den Olympischen Spielen nach Rio zu schicken, die tatsächlich auf eben jener 25m Bahn ihre Vorbereitung absolviert haben.


Am nächsten Tag nahm ich mir das COPE Besucherzentum vor. COPE kümmert sich um die Bereitstellung von Prothesen oder Rollstühlen für alle Menschen, die ansonsten keinen Zugang dazu hätten. Der Bedarf ist leider überdurchschnittlich hoch und dafür gibt es einen sehr traurigen und kaum bekannten Grund: Auf Laos wurden 2,5 Millionen Tonnen Munition abgeworfen. Das ist Weltrekord im pro Kopf Vergleich und mehr als im zweiten Weltkrieg auf Deutschland und Japan zusammen geworfen wurden. Wer sich jetzt fragt, welches Regime denn in Laos bekämpft oder in welchen Krieg das Land verwickelt war, der hat nicht etwa in Geschichte nicht gut aufgepasst. Laos war in keinen Krieg verwickelt. Das Land liegt schlicht und ergreifend direkt neben Vietnam und wurde im Rahmen des Vietnam Krieges bombardiert – allerdings nicht etwa aus Versehen. Die Bomben sind gezielt von amerikanischen Flugzeugen über Laos abgeworfen worden, wenn sie sich auf dem Rückweg zu ihrer Base befanden und nicht alle Munition in Vietnam losgeworden waren. Es wäre zu gefährlich gewesen, wenn sie mit den Bomben an Bord versucht hätten, zu landen. Neun Jahre versteckten sich die Laoten daher regelmäßig in Tunneln und Höhlen.
Zu allem Unglück handelte es sich bei vielen dieser Bomben um Streubomben mit einer Vielzahl kleiner Geschosse. Man schätzt, dass 30% dieser Bomben, also ca. 80 Millionen, noch nicht hochgegangen sind. Sie liegen heute noch herum und werden von Bauern gefunden, wenn sie ihr Feld umpflügen, oder explodieren, wenn jemand in der Nähe ein Feuer anmacht oder beim Spazierengehen drauftritt. Seit 1994 werden die Blindgänger gezielt gesucht und gesprengt, damit Bauern ihrer Arbeit in Sicherheit nachgehen können. Etwa 500.000 Streubomben wurden auf diese Weise unschädlich gemacht. Bleiben noch etwa 79,5 Millionen übrig. Ich kaufte eine Packung Kaffee, mit dem COPE unterstützt wird, und hinterließ noch eine Spende.


Um zum Abschluss noch mehr über Laos zu erfahren, wollte ich noch mit mehr Mönchen sprechen. In einem Tempel gab es die Möglichkeit, an einer Meditation teilzunehmen und sich mit Mönchen zu unterhalten, die ihr Englisch üben möchten – mein Programm für den Folgetag. Zusammen mit ein paar anderen Backpackern saß ich im Schneidersitz einer Hand voll Mönchen gegenüber, die uns von ihrem Alltag berichteten, der recht gut durchstrukturiert und voller Regeln ist. Um 3:30 Uhr starten sie mit der ersten Meditation. Zu essen gibt es nur ein Frühstück und Lunch – abends wird nicht gegessen, sondern nochmal meditiert. Die Regeln sind aber von Tempel zu Tempel unterschiedlich, so dass das nicht für alle Mönche in Laos gelten muss. Das Englisch der Mönche war aber – wie auch schon bei anderen Mönchen – nicht ausreichend, um komplexere Themen zu diskutieren. Zum Teil verstanden sie die Frage nicht ganz richtig oder gaben recht allgemeine Antworten. Als ein Mönch erklärte, dass alle Lehrer auf ihrer Schule auch Mönche sind, wurde mir auch schnell klar, woran das liegt.
Für die Meditation sangen die Mönche erst ein paar Sutren, bevor wir die Augen schlossen und uns auf unseren Atem konzentrierten. 15 Minuten Meditation vergingen erstaunlich schnell. Wir schlossen noch eine Walking Meditation an, die im Grunde gleich abläuft, nur dass man dabei langsam durch den Tempel schlendert anstatt zu sitzen, bevor wir nochmal im Sitzen meditierten.
Dann hieß es für mich, meinen Rucksack ein letztes Mal zu packen und zum Flughafen zu gehen.



































































































