Höher, schwieriger, weiter

Mit dem Bus ging es weiter nach Vang Vieng. Ich hatte zuvor höchst unterschiedliche Erfahrungsberichte über Busfahrten in Laos gelesen: Von schlechten Straßenverhältnissen war die Rede. Es wurde berichtet, dass Leuten reihenweise schlecht wurde, aber es gab auch ein paar positive Erlebnisse. Der Minivan, in dem ich saß, war mehr als komfortabel und die Straße ebenfalls. Die Fahrt war recht kurvenreich und ich kann mir vorstellen, dass ein aufgeregter Fahrer für einiges Ungemach sorgen kann, aber wir fuhren nicht zu schnell, so dass alle mit einem guten Gefühl in Vang Vieng ankamen.

Ich checkte in meinem Guesthouse ein und erkundete danach die Stadt, was nicht zu allzu lange dauerte. Es gab eine Hauptstraße, ein paar kleine Tempel und ansonsten jede Menge Hotels, Restaurants und Bars. In Laos insgesamt sorgt Tourismus für 14% des BIP. Das ist deutlich mehr als in meinen bisherigen Reisestationen, wo der Anteil bei maximal 4% lag. Laos liegt mit seinen 14% übrigens weltweit auf Platz 61. In Thailand (22%) und den Philippinen (25%) ist der Anteil noch höher. In Vang Vieng hatte ich den Eindruck, dass 100% der Wirtschaftsleistung durch den Tourismus erbracht werden.

Wenn man durch die Straßen geht, kann man sich schnell fragen, warum all diese Menschen kommen. Denn besonders schön ist der Ort wirklich nicht. Dafür ist die Umgebung umso reizvoller: Karstberge, Reisfelder und der Fluss Nam Song bieten jede Möglichkeiten für Ausflüge in die Natur. Ich meldete mich für einen ganztägigen Kletterkurs an.

Obwohl die Stadt voller Touristen war, kam nur ein Koreaner auf die gleiche Idee und er wollte nur einen Halbtageskurs machen. Wir hatten also den Vormittag zu zweit einen Lehrer und am Nachmittag hatte ich Privatunterricht. Der Guide erklärte uns zunächst, wie wir uns gegenseitig sichern, bevor wir mit einer leichten Route starteten. Problemlos kamen wir beide hoch und wieder runter. Im Laufe des Vormittags erhöhten wir die Schwierigkeiten, bis wir bei der letzten Route einen leichten Überhang zu meistern hatten. Von unten betrachtet, sahen die meisten Routen kaum zu bewältigen aus. Ich konnte kaum gute Löcher im Fels entdecken, an denen man sich festhalten könnte. Aber Schritt für Schritt entdeckte ich immer eine kleine Felsspalte, die bereits ausreichte, um sich weiter nach oben zu bewegen. Kurz vor Schluss ließ meine Kraft in den Fingern dann doch nach: Die Griffe, die sich mir boten, waren nicht ideal und meine Unterarm bereits Pudding. Ich verlor den Halt und rutschte ab, war aber gut gesichert, so dass ich kaum nach unten rutschte. Beim zweiten Versuch half der Guide an der entscheidenden Stelle etwas nach und zog mich quasi nach oben. Kaum hatte ich den Überhang überwunden, konnte ich auch schon oben anschlagen und mich abseilen.

Bei der nachmittäglichen Privatstunde stellte sich heraus, dass der Guide ein ganz hervorragender Lehrer war. Ich kletterte jede Route immer zwei Mal: Das erste Mal den einfachen Weg. Kaum dass ich das geschafft hatte, erklärte er mir, wo ich die Route schwieriger machen kann. Am Ende des Tages waren wir soweit, dass ich meinen rechten Fuß oberhalb meiner Hände platzieren sollte, um mich dann nach oben zu ziehen. Okay, es gelang mir noch meinen rechten Fuß zu platzieren und ich wollte mich auch nach oben ziehen, aber ich fand nicht schnell genug den passenden nächsten Griff. Das wäre aber auch wirklich zu viel gewesen.

Am nächsten Tag lieh ich mir ein Fahrrad aus, um die Umgebung zu erkunden. Nun muss ich nochmal zurückkommen zu den Straßenverhältnissen, die ich eingangs gelobt habe. Zwischen Luang Prabang und Vang Vieng verläuft eine wirklich gut asphaltierte Straße, aber sobald ich Vang Vieng verließ, befand ich mich auf einer Sandpiste voller Schlaglöcher. Mein Fahrrad hatte zum Glück einen ganz gepolsterten Sitz. Dafür rutschte im Laufe des Tages der Sattel immer weiter nach unten, so dass ich zwei Mal nachziehen musste, und der Lenker verdrehte sich auch noch leicht. Bei den niedrigen Geschwindigkeiten, die ich erreichte, war das aber zum Glück nur halb so nervig. So lange ich mich nicht auf die widrigen Umstände konzentrierte, konnte ich aber eine schöne Landschaft genießen, die mich sehr an Yangshuo in China erinnerte. Ungefähr bei der Hälfte der Strecke, die ich mir vorher rausgesucht hatte, machte ich einen Stopp bei einer Lagune, um mich zu erfrischen. Anschließend ging es mit neuer Kraft weiter auf den Buckelpiste. Als ich in Vang Vieng wieder ankam, war ich ziemlich froh, das Fahrrad abgeben zu können und belohnte mich erstmal mit einem Mango Shake.

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