Von Zhangjiajie fuhr ich mit dem Bus nach Changsha und von dort aus mit dem Zug weiter nach Guilin. Die Stadt liegt am Li River in einer Landschaft von Karst Hügeln und hat 5 Millionen Einwohner. Für chinesische Verhältnisse also eine Kleinstadt. Besonders der Tourismus floriert in dieser Gegend. Guilin ist für viele der Ausgangspunkt zu einer Flussfahrt ins nahe gelegene Yangshuo, wo auch ich hinwollte. Allerdings nahm ich nicht das Schiff, sondern am nächsten Tag den Bus.
Yangshuo wiederum ist mit 500.000 Einwohnern für chinesische Verhältnisse ein Dorf. Mein Hotel befand sich gegenüber von der Innenstadt auf der Nordseite vom Fluss. Morgens weckten Rufe von Hähnen, allerlei Schmetterlinge flogen durch den Garten und jeder Einwohner kümmerte sich tagsüber um seine Gemüsebeete. Ich fühlte mich wirklich wie auf dem Land.
Chinesische Touristen zieht es nach Yangshuo, um sich abends eine Show direkt am Fluss anzuschauen. Regisseur ist Zhang Yimou, der auch für House of Flying Daggers Regie geführt und die Eröffnungsfeier der olympischen Spiele in Peking 2008 inszeniert hatte. Ausländische Touristen dagegen machen meist einen Kochkurs und genießen die schöne Landschaft.



Ich hatte im Reiseführer einen Anbieter für einen Kochkurs gefunden und mich direkt dafür angemeldet. Fünf Gerichte standen auf dem Programm: Dumplings, gebratene Aubergine, Hühnchen mit Gemüse im Wok, ein Salat und als Highlight Bier-Fisch. Eine junge chinesische Köchin erklärte der kleinen Gruppe aus vier Deutschen, einem italienisch-französischen Pärchen und mir, was wir zu tun hatten. Anschließend sollten wir die Schritte nachmachen. Einen Augenblick schauten wir uns nach den Erläuterungen immer fragend an: „Welches Gemüse sollten wir noch gleich als erstes in den Wok werfen?“ Trotz leichter Unsicherheiten gelang alles problemlos und ich konnte einige Anregungen für das eigene Kochen mitnehmen. Bier-Fisch ist eine lokale Spezialität, die ich auch schon in den Restaurants angepriesen bekommen hatte. Für die Zubereitung wird tatsächlich Bier mit in den Wok gegossen, das aber im weiteren Verlauf komplett verdunstet, und es hat auch keiner Bier-Aromen herausschmecken können.


Nach dem kulinarischen Ausflug folgte am nächsten Tag die Erkundung der Landschaft. Dazu lieh ich mir in meinem Hotel ein Fahrrad aus und suchte als erstes Ziel einen Aussichtspunkt heraus, von dem man die Landschaft vom 20 Yuan Schein sehen kann. Die Route führte mich über Landstraßen und kleinere Dörfer, die mir wirklich wie Dörfer vorkamen, zu der berühmten Stelle. Sie wird auch von den Schiffen passiert, die aus Guilin kommen. Ich stellte mein Fahrrad ab, um ein Photo zu machen, und wollte natürlich gerne eines ohne Schiffe haben – keine Chance. Die Schiffe fuhren wie auf einer Perlenkette hintereinander. Größere Lücken wurden nicht gelassen. Am Abend erklärte mir ein australisches Ehepaar, das eben diese Schifffahrt unternommen hatte, dass die meisten Schifffahrer am Abend die Show besuchen würden. Es musste sich also um eine Großveranstaltung ähnlich einem Spiel in der Fußball-Bundesliga handeln. Von dem Aussichtspunkt fuhr ich noch etwas weiter am Fluss, ehe ich einem Rundweg um die Karsthügel folgte. Am Wegesrand lagen Maisfelder, Teeplantagen sowie allerlei weitere Felder und am Fluss kühlten sich Wasserbüffel ab.
Wer nicht in der Landwirtschaft tätig war, der kümmerte sich um Touristen oder den Straßen- und Hausbau. Neue breite Straßen, moderne Wohnhäuser und Hotelanlagen entstanden hier. Die Bauindustrie in China scheint blendend zu laufen. Ich habe bislang jedenfalls noch keine Stadt gesehen, in der nicht eifrig neue Straßenzüge hochgezogen werden. Fast könnte man denken, dass jeder Chinese zum 70. Geburtstag der Volksrepublik ein eigenes Häuschen bekommen soll. Am 1. Oktober wird dieses Jubiläum gefeiert und dafür werden überall bereits seit Wochen Fahnen und Plakate aufgestellt. In dieser Woche hat ganz China außerdem Ferien. Ganz China? Polizisten sind von der nationalen Urlaubswoche ausgenommen. Ihre Präsenz hat in den letzten Tagen merklich zugenommen. Ansonsten gab es für mich aber auf der Reise noch keine Einschränkungen. Was in Yangshuo am 1. Oktober passiert, werde ich nicht mehr mitbekommen. Mein Zug ging am nächsten Tag nach Kunming, der Hauptstadt der Provinz Yunnan, in der ich den Feiertag verbringen werde.







