Mein Wecker klingelte um 5:20 Uhr. Ich war eigentlich erst recht spät angekommen nach der langen Busfahrt, aber ich wollte schon im Morgengrauen auf die Straßen von Luang Prabang. Ich zog mich also schnell an und lief die Hauptstraße herunter. Dort standen auch schon andere Touristen und ein paar Einheimische, die den Touristen etwas Reis verkaufen wollten. Alle warteten gespannt, bis man am Horizont einige grell-orangene Outfits sah. Natürlich warteten wir nicht auf die Müllabfuhr, sondern auf Mönche. Jeden Morgen zum Sonnenaufgang machen sie ihren Almosen-Gang durch Luang Prabang. Da sie selbst nicht besitzen, werden sie von der Bevölkerung mit Essen versorgt. Inzwischen ist daraus auch eine regelrechte Touristen-Attraktion geworden und über zu wenig Essen müssen die Mönche sicherlich nicht klagen. Ich konnte auch beobachten, dass einige kleine Kinder wiederum von den Mönchen mit Essen versorgt wurden.





Anschließend besuchte ich diverse buddhistische Tempel. Die Buddhas und Stupas sahen aus wie in China, aber die Architektur und Wandmalereien unterschieden sich deutlich. Auf den Höfen der Tempel waren meist Mönche damit beschäftigt, irgendetwas zu basteln, aufzuräumen oder zu späterer Stunde gemeinsam zu meditieren. Sie waren erstaunlich jung und ein paar Mönche sprachen mich an, um ihr Englisch zu verbessern. So erfuhr ich, dass sie in den Tempeln wohnen bzw. in dazugehörigen Gebäuden. Viele wurden in jungen Jahren von ihren Familien dorthin geschickt, weil dadurch für ihre Bildung und vor allem ihr Essen gesorgt wird. Sie verbringen als Mönch ihre Jugend und verlassen den Tempel, wenn sie zum Beispiel zur Universität gehen oder einen Beruf ergreifen möchten. Es dauerte eine Weile, bis ich diese Information zusammenhatte und ich musste außerdem einen Tour-Guide danach fragen, weil das Englisch der Mönche dann doch meist nicht für komplexe Themen ausreichte und ich mir zum Teil nicht sicher war, was sie mir genau erklären wollten. Aber dass sie mit mir so fleißig üben wollten, hat mich doch sehr gerührt.
Der besagte Tour-Guide führte mich am nächsten Tag durch das Elephant Village, einem Conservation Center. Die dort lebenden Elefanten wurden vom Village aus einer harten Gefangenschaft herausgekauft. Die meiste Zeit des Tages halten sie sich im Dschungel auf, aber morgens kommen sie zum Check-Up zum Doktor und bekommen außerdem ein Frühstück sowie Mittagessen. Beides schien aber fließend ineinander überzugehen. Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass sie dauerhaft essen, was allerdings bei der schieren Körpergröße und der Ernährung aus ein paar Bananen und Blättern kaum verwunderlich ist.
Zunächst gab ich einer Elefantin ein paar Bananen, die sie gierig verschlung. Kaum hatte ich ihr eine Banane gegeben, streckte sie auch schon ihren Rüssel aus, um die nächste zu bekommen. Später wusch ich die Elefantin. Wir gingen dazu an den Fluss und ich schrubbte ihr die Kopf, während ich auf ihrem Rücken saß. Wasser schien ihr zu gefallen: Sie tauchte zwischendurch für längere Zeit unter und besprühte mich anschließend mit Wasser. Das war wahrscheinlich ihre Art, Danke zu sagen. Ich schrubbte daher auch noch ihren Rücken. Nach dem Bad ging es für die Elefantin zurück in den Dschungel. Ein Mahout brachte sie dorthin, während ich mit dem Guide zu einem nahen Wasserfall fuhr.




Es war Wochenende und entsprechend war viel los: Zahlreiche Laoten und einige Touristen ließen bereits ihre Seele baumeln oder machten Selfies im Wasser. Aber auch hier hielten sich 80% der Menschen auf 20% der Fläche auf, so dass man nur etwas weiter laufen musste, um den Wasserfall ohne Menschenmenge genießen zu können. Auf dem Rückweg zum Boot sah ich einige Elefanten, die hier als Touristen-Attraktion gehalten werden. Sie hatten Sessel auf ihrem Rücken und zum Teil drei Menschen auf einmal auf ihnen. Der Tour-Guide vom Elephant Village erklärte mir, dass sie auch von hier einen Elefanten gekauft hätten und gerne noch einen kaufen würden. Der Preis für einen Elefanten liegt übrigens bei 30-40T USD.
Als wir wieder zurückfuhren, beschäftigte ich mich nochmals mit der Elefanten Industrie in Südostasien. Ich hatte auch auf dem Rücken der Elefantin gesessen und war ein kurzes Stück mit ihr durch den Dschungel geritten. Tatsächlich gibt es in Südostasien immer mehr Anbieter, die ihren Kunden erzählen, dass sie gerettete Elefanten halten und sich dem Eco-Tourismus verschrieben hätten, die aber ihre Elefanten ebenfalls nicht gut behandeln. Viele Elefanten müssen den ganzen Tag Touristen herumtragen oder werden mehrfach von ihnen gebadet. Beim Village, das ich besucht habe, hatte ich einen guten Eindruck. Die Elefanten haben zu Essen bekommen, es gab einen Tierarzt, sie waren nur kurz im Village und danach im Dschungel und die Interaktion mit Touristen wurde zeitlich stark eingeschränkt. Ich hatte zwar eine Tour für einen ganzen Tag gebucht, aber die meiste Zeit erklärte man mir etwas oder beschäftigte mich anderweitig. Ohne ein Experte zu sein, kann ich auch nur berichten, dass ich den Eindruck hatte, es würde den Tieren gutgehen. Das Beste wäre es sicherlich, wenn die Tiere in Freiheit leben könnten. Aber wenn das Geld, das ich dem Village gezahlt habe, dazu beiträgt, dass ein Elefant vom Wasserfall aus seiner Situation befreit wird, habe ich auf jeden Fall etwas Gutes getan.



