Es waren Bilder von schönen Schluchten und grandiosen Gebirgsseen von anderen Travellern, die mich nach Kasachstan gelockt haben. Denn ursprünglich wollte ich lediglich Almaty bei der Durchreise nach China besuchen. Nun habe ich etwa anderthalb Wochen im neuntgrößten Land der Welt eingeplant. Nachdem ich mit der Marshrutka in Almaty angekommen war, machte ich direkt eine Tour zum Charyn Canyon und mehreren Seen ausfindig. Normalerweise unternehme ich diese Ausflüge lieber auf eigene Faust, aber ich hatte auf einigen Blogs gelesen, dass man mit Öffentlichen Verkehrsmitteln nur sehr umständlich dorthin kommt und außerdem einen Großteil der Fahrt eh mit dem Taxi bestreiten muss. Die Tour erschien mir daher als eine angenehme Lösung.
In der Früh fuhren wir von Almaty etwa drei Stunden zum Charyn Canyon. Wir, das war eine kleine Gruppe mit zwei Guides aus Kirgisistan, einem Polen, einem Koreaner und mir. Der Koreaner redete ohne Pause, aber leider schlechtes, zum Teil unverständliches Englisch. Der Pole hatte einen schottischen Akzent, weil er dort lebt, und sprach so langsam, dass man während eines Satzes locker eine Tasse Tee trinken konnte. Die Schlucht wird häufig mit dem Grand Canyon verglichen und ist wohl die zweitlängste der Welt. Der Abschnitt, den wir besuchten, bot schöne Ausblicke und einen Spaziergang zu einem Fluss, für den wir eine Stunde brauchten, weil wir ständig Photos machten.
Obwohl der Charyn Canyon die meistbesuchte Attraktion in der Region Almaty ist und noch dazu Wochenende war, war erstaunlich wenig los. Nur am Fluss standen recht viele Touristen auf einem Haufen, um das perfekte Photo für Instagram zu schießen. Wir stellten uns zu zwei Asiatinnen, die so aussahen, als ob sie darin recht viel Übung hätten.




Vom Canyon ging es weiter zum Kaindy Lake. Zunächst fuhren wir auf einer gut asphaltierten Straße. An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass die Straßenverhältnisse in Kasachstan deutlich besser sind als in Kirgisistan. Die Regierung hat in den letzten Jahren auch einige Straßen zu touristischen Zielen neu gebaut, um den Tourismus anzukurbeln.
Für das letzte Stück stiegen wir für in einen alten Geländewagen aus dem Zweiten Weltkrieg um. Die Fahrt würde jetzt ruckeliger werden, meinte der kirgisische Guide. Ich kannte das ja schon aus seinem Heimatland. Die Fahrt war dann aber tatsächlich deutlich ruckeliger, als ich es bislang gewöhnt war. Das russische Fabrikat machte aber einen guten Job und brachte uns sicher ans Ziel.


Der Kaindy Lake ist ein kleiner Gebirgssee mit ganz klarem Wasser. Aus ihm ragt eine Gruppe Bäume heraus, die komplett unter Wasser stehen. Der See war wohl ursprünglich kleiner und die Bäume standen am trockenen Ufer, bis sie überflutet wurden. Wir waren die einzigen Touristen, aber bei weitem nicht allein. Zahlreiche Kasachen bereiteten ein Barbecue vor. Am See gibt es mehrere Grillstellen und die Kasachen hatten auch ihre Zelte dabei, um am See zu übernachten. Dazu floss reichlich Bier und später wahrscheinlich auch noch Wodka.
Nachdem wir den See aus allen begehbaren Winkeln betrachtet hatten, ging es mit unserem Geländewagen zurück ins Dorf Saty, wo wir in einem Gästehaus untergebracht waren. Ich konnte keinen Unterschied zu kirgisischen Gasthäusern ausmachen. Die Babushka war genauso herzlich. Die Marmelade selbst gemacht und zu Essen gab es Manty.


Am nächsten Tag brachen wir erneut früh auf, um zu den Kolsai Lakes zu fahren. Es gibt deren drei mit sehr einfallsreichen Namen: Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3. Wir parkten am ersten und starten von dort eine Wanderung zum zweiten. Der Weg führt an einem Fluss entlang durch einen Wald. Es geht ein wenig bergauf und bergab und am Ende sehr steil bergauf, weil Nr. 2 400m oberhalb von Nr. 1 liegt. Hier waren wir wirklich ganz alleine und genossen die Ruhe. Sogar der Koreaner hörte auf zu quasseln, was aber eventuell auch an seiner Erschöpfung lag. Das Wasser ist auch hier vollkommen klar und die Bergkulisse könnte auch aus Österreich kopiert sein. Auf dem Rückweg trafen wir mehrfach kasachische Soldaten, die uns auf Pferden entgegen kamen. Die Grenze nach Kirgisistan ist nicht weit und der Weg wird daher standardmäßig patrouilliert.
Wieder zurück in Almaty genoss ich die Annehmlichkeiten der Stadt und plante meine Weiterreise nach Shymkent, einer Stadt im Süden Kasachstans.

