Urlaub auf dem Bauernhof

Die Babushka in Kyzyl-Oi wartete bereits mit selbstgebackenem Brot und Marmelade auf mich. Ich hatte mir auf Booking.com ein Zimmer in einem Homestay reserviert. Erst gab es Verwirrung darüber, ob ich an der richtigen Adresse wäre. Denn auf Booking.com hat das CBT einen gemeinsamen Eintrag für alle Gasthäuser in dem Dorf angelegt. Aber die Babushka hatte noch ein Zimmer für mich und nahm mich gerne auf.

Kyzyl-Oi liegt ungefähr 140km westlich vom Song-Köl See. Nur auf den ersten Blick hört sich das so an, als ob man dort schnell hinkommen könnte. Tatsächlich dauerte die Fahrt 6 ½ Stunden. Zunächst wurde ich am Camp abgeholt und nach Kochkor gebracht. Von dort nahm ich ein Shared Taxi nach Chaek. Shared Taxis funktionieren im Grunde ähnlich wie Mashrutkas, nur dass sie kleiner sind. Sie stehen an den Taxiständen, haben bereits feste Ziele und fahren los, sobald sie gefüllt sind. Von Chaek aus nahm ich noch ein Taxi alleine bis nach Kyzyl-Oi. Das Reisen in Kirgisistan ist bisweilen etwas umständlich und für die relativ kurzen Strecken geht dann doch oft ein ganzer Tag drauf.

In meinem Reiseführer wird das Dorf als hervorragender Ausgangspunkt für Wandertouren empfohlen und entsprechend sah dann auch mein Programm für den folgenden Tag aus. Direkt vom Dorf lief ich einen der umliegenden Hügel hoch. Vor mir erstreckten sich Weiden und rings um mich herum lagen hohe Berge. Während ich weiter wanderte, konnte ich Bauern bei der Heuernte beobachten, wurde von Reitern überholt und natürlich musste ich auch mehrmals Kuhherden umrunden.

Nach der Wanderung setzte ich mich in den Garten, um zu lesen. Es dauerte nicht lange und die Babushka setzte sich zu mir. Ich habe mir inzwischen ein Russisch-Wörterbuch heruntergeladen und bildete damit einfache Sätze. “Wie alt Hund?” “Morgen ich Bischkek” Sie war zum Glück geduldig und kreativ genug, um zu erraten, was ich sagen wollte.

Von Kyzyl-Oi aus fuhr ich weiter nach Bishkek. Von der kirgisischen Hauptstadt hatten mir andere Traveller bislang nichts Gutes berichtet. Man bräuchte nicht viel Zeit und es würde sich auch kaum lohnen, dort zu sein. Ich plante daher einen halben Tag ein, der auch tatsächlich mehr als ausreicht, um das Sightseeing-Programm abzuarbeiten. Auf dem Osh Basar kam man Gewürze kaufen, Brot, Honig und natürlich billige Klamotten. Danach wollte ich gerne noch ins Historische Museum gehen, das laut Internet geöffnet hatte, in Wahrheit aber gerade umgebaut wird. Stattdessen musste ich mit dem Mikhail Frunze Musem vorlieb nehmen. Frunze kam aus Bischkek und schloss sich früh den Kommunisten an, machte als Führer einer Truppe im Ersten Weltkrieg Karriere, starb aber wenige Jahre nach dem Krieg. Ich musste mir diese Einzelheiten leider im Nachhinein auf Wikipedia durchlesen, da es im Museum zwar jede Menge Photographien und Exponate sogar mit Erklärungstexten auf Englisch zu sehen gibt, aber eigentlich vorausgesetzt wird, das man die grobe Geschichte bereits kennt.

Nach dem Sightseeing genoss ich noch die entspannte Atmosphäre in der Stadt. Ich war überrascht, wie grün die Stadt ist und wieviele Restaurants und Cafés sie zu bieten hat. Ansonsten kommen Liebhaber der Soviet-Architektur hier voll auf ihre Kosten. Insofern hat mich Bishkek positiv überrascht, wenngleich meine Erwartungen auch wirklich extrem gering waren. Am nächsten Morgen verließ ich die Stadt früh in Richtung Kazachstan und beendete damit meine Reise durch Kirgisistan. Zeit etwas Bilanz zu ziehen: Kirgisistans Landschaft ist wirklich wunderschön. Es erinnert manche an die Schweiz oder Österreich. Nur dass das Land wesentlich weniger weit entwickelt ist. Dafür ist die Gastfreundschaft umso herzlicher und wer etwas Russisch oder gar Kirigisch spricht, wird schnell mit seinen Gastgebern Freundschaft schließen können. Kassensturz: In anderthalb Wochen habe ich ca. 300 Euro ausgegeben. In Karakol und in Bishkek habe ich in Hostels geschlafen. Ansonsten in Gasthäusern. Und auf dem Land ist es fast unmöglich, Geld für irgendetwas auszugegeben. 

Italienische Restaurants sind sehr angesagt
American lifestyle: Bishkek Fried Chicken

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