Nach einem ziemlich ruckeligen Flug über Istanbul nach Bishkek kam ich am Morgen in Kirgisistan an. Von der kirgisischen Hauptstadt aus wollte ich direkt weiter nach Cholpon-Ata, einem Badeort am Issyk-Kul See. Die Organisation dieser Weiterreise stellte sich als erstaunlich einfach heraus. Kaum hatte ich den Flughafen verlassen, musste ich mir nur noch eine Traube von Taxifahrern, die mich überall hingefahren hätten, loswerden, damit ich in einer bereitstehenden Marshrutka einsteigen konnte. Marshrutkas sind Mini-Busse, die auf recht festen Routen verkehren, aber keinen festen Zeitplan haben. Mit der Marshrutka fuhr ich also nach Bishkek rein. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinen einzigen Som, da die ATMs am Flughafen nicht funktioniert haben. Ein anderer Tourist half mir mit 50 Soms aus, was etwa 80 Cent entspricht. In Bishkek angekommen, lief ich ein Stück zur Busstation für die Busse zum Isyk-Kul See, wo ich ebenfalls sogleich angesprochen wurde, wo ich denn hinfahren möchte. Der zuständige Fahrer half mir zuvorkommend mit meinem Gepäck und kaum saß ich im Bus, ging es auch schon los.
Die Straßen in Kirgisistan sind in der Regel holprig und auch hier hat sich das Verkehrsamt dazu entschieden, Bremsschwellen einzusetzen, um die Geschwindigkeiten zu kontrollieren. Der durchschnittliche kirgisische Fahrer lässt sich davon jedoch nicht beirren und fährt in ungebremster Geschwindigkeit weiter. Auf den Straßen sieht man viele Autos aus Deutschland, zu erkennen an den Beschriftungen deutscher Firmen. Offensichtlich haben diese Fahrzeuge in Deutschland ihre Zulassung verloren und sind dann hierher gebracht worden. Zudem sieht man auch regelmäßig Autos mit dem Lenkrad auf der rechten Seite – Importe aus UK.
In Cholpon-Ata ruhte ich mich erstmal am Strand aus, der außer mir von ein paar einheimischen Touristen genutzt wurde. Das Wasser ist klar und angenehm erfrischend, wie man es von einem Gebirgssee erwartet. Der Isyk-Kul See ist übrigens der zweitgrößte Gebirgssee der Welt, hinter dem Titicaca See in Peru. Ich mache die Augen zu und versuche nach der anstrengenden Fahrt etwas zu schlafen. Da wir die Idylle von Motor-Geräuschen gestört: Am Horizont erkenne ich einen Jet Ski. Eine Bucht weiter befand sich eine Art Wasser-Vergnügungspark mit Rutschen und Hüpfburgen. Ich ließ mich nicht weiter stören und ruhte mich aus.

Nach einer Nacht fuhr ich weiter nach Karakol, einem Trekking-Paradies östlich vom Isyk-Kul. Der Wetterbericht sagte für die nächsten Tage dauerhaften Regen voraus. In München bedeutet das meist, dass es zwischendurch für eine Stunde nieselt und man sich nicht weiter beirren lassen muss. Hier bedeutete das dauerhaften Regen für die nächsten Tage. Ich besuchte zunächst die Sehenswürdigkeiten in dem Ort: diverse Kirchen, ein historisches Museum mit allerlei Fundstücken aus diversen Epochen, monumentale Denkmäler sowie den Basar. Am Abend vertrieb ich mir die Zeit mit Jenga und Schach mit einer deutschen Familie.
Trotz des schlechten Wetters wollte ich den Ort nicht direkt verlassen, sondern die Umgebung mit kleineren Ausflügen kennenlernen. Ich stellte mich am Vormittag, wie mir empfohlen wurde, an die Busstation und wartete auf die Marshrutka nach Jeti-Öguz. Zum Glück fand ich einen Platz, wo ich mich gut unterstellen konnte. Denn es regnete ja immer noch. Nach einer halben Stunde wurde ich unruhig und erkundigte mich bei Passanten, ob ich an der richtigen Station stehe. Sie sprachen kein Englisch und versuchten mir irgendetwas zu sagen. Ich hatte den Eindruck, dass ich an der richtigen Station stehe. Eine halbe Stunde später kamen andere westliche Wanderer dazu, die ebenfalls nach Jeti-Öguz wollten. Wir warteten gemeinsam nochmal eine halbe Stunde, ehe wir uns ein Taxi nahmen. In Jeti-Öguz angekommen regnete es logischerweise auch. Wir warteten also erstmal in einem Lokal darauf, dass der Regen aufhört. Laut Wetterbericht sollte es eine kleine Pause um 13 Uhr geben. Und auch in dieser Hinsicht hatte der Wetterbericht recht: Um Punkt 13 Uhr hörte es auf zu regnen. Wir stürmten schnell vom Lokal den anliegenden Hügel hoch, von wo man einen wunderbaren Ausblick auf die Seven Bulls und die weitere Landschaft hat – leider recht wolkenverhangen, aber trotzdem schön. Nachdem wir ausreichend Photos gemacht haben, fing es wieder an zu regnen.


Zum Abschluss in Karakol meldete ich mich für ein Dinner bei einer Dungan Familie an. Die Dunganen sind chinesische Muslime, die in Karakol leben. Sie sprechen Kirgisisch, aber auch Chinesisch. Im Gegensatz zu Chinesen verwenden sie dafür aber die kyrillische Schreibweise. Ihre Küche ist stark chinesisch geprägt. Als Vorspeise gab es Ashlyamfu, als Hauptgang Reis mit acht vierschiedenen Beilagen – von Meatballs bis Schnittlauch mit Ei. Dazu wurden uns noch ein paar Eigenheiten der Dunganen erklärt. Am Ende waren alle satt und bestens informiert. Für mich eine gute Grundlage, um am nächsten Tag nach Kochkor weiterzufahren.

