Zurück in der Urbanität

Meine letzte Nacht in Jordanien verbrachte ich in Madaba. Ich hatte die Stadt aus strategischen Gründen ausgewählt: Von dort ist es nicht mehr weit zur Grenze und im Gegensatz zu Unterkünften direkt am Toten Meer sind die Hotelpreise deutlich günstiger.

Madaba gab mir überall mehr, als ich gehofft hatte. Angefangen beim Hotel, das von außen etwas heruntergekommen aussah, weil es im Augenblick umgebaut wird, aber innen auf Hochglanz poliert war. Die Besitzerin bot mir beim Check-In nicht nur einen Kaffee an, was in Jordanien recht üblich ist, sondern auch noch ein Stück selbstgebackenen Kuchen. In der St. John’s Kirche, einer der Hauptattraktionen der Stadt, kam ich zufällig gerade pünktlich, um beim Läuten der Glocken zu helfen. Wer das noch nie gemacht hat: Ich kann es nur empfehlen, weil es wirklich Spaß macht. Ich könnte diese Liste an unerwarteten Extras noch endlos fortsetzen.

Ebenfalls unerwartet war die hohe Zahl unverschleierter Frauen auf den Straßen. Im Süden des Landes sieht man zum Teil gar keine Frauen auf der Straße und wenn nur verschleiert. Denn nur etwa 15% der Frauen arbeiten in Jordanien. 85% kümmern sich um den Haushalt und die Erziehung der durchschnittlich 3 Kinder – die Geburtenrate in Jordanien ist damit auf dem gleichen Niveau wie in Israel. Rein nach dem äußeren Eindruck schätze ich, dass der Anteil erwerbstätiger Frauen in Madaba und auch in der Hauptstadt Amman deutlich höher ist als auf dem Land.

Hauptgrund für die vielen unverschleierten Frauen ist der hohe Anteil Christen: Etwa ein Drittel der Bevölkerung in Madaba ist christlich. Insgesamt liegt der Anteil in Jordanien hingegen nur bei 6%.

Wo geht’s zum Himmel?

Etwas traurig, dass ich diesen wunderbaren Ort schon wieder verlassen musste, stieg ich am nächsten Morgen ins Auto, um zur Grenze zu fahren. Nachdem ich unzählige Horrorstories über stundenlange Aufenthalte an der Grenze gehört hatte, war ich auf lange Befragungen gefasst. Der Grenzübergang stellte sich dann aber als recht einfach heraus. In Jordanien wird der Reisepass gecheckt, dann steigt man in einen Bus ein, der einen von der jordanischen an die israelische Grenze bringt. Die Fahrt dauert ohne Stau etwa 10 Minuten. An dem Tag war leider Stau, so dass die Fahrt eine Stunde dauerte. Aber in einem klimatisierten Reisebus lässt sich das durchaus aushalten. An der israelischen Grenze wird das Gepäck kontrolliert, bevor es an die Befragung geht. Da wurde ich lediglich gefragt, warum ich nach Israel fahre und nachdem ich erklärte, dass ich noch zwei Tage in Tel Aviv bleibe, bevor ich wieder nach Deutschland fliege, durfte ich auch schon einreisen.

Mit einem Mini-Bus ging es weiter nach Jerusalem und von dort nach Tel Aviv. In Tel Aviv angekommen, wollte ich meine Fahrt mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln fortsetzen. Da ich vorher nicht ganz sicher war, an welcher Busstation ich ankommen würde, hatte ich mich vorab noch nicht darüber informiert, wie ich zu meinem Hotel komme. Beim Busbahnhof gab es keine Schilder mit Fahrplänen oder Karten. Ich fragte also Passanten, ob sie mir weiterhelfen könnten. Die Reaktionen: eher verhalten. Entweder weichte man mir vorab aus, winkte direkt ab oder zuckte mit den Schultern. Kein Mensch wusste, wie die Busse fahren, und schon gar nicht wollte man sich die Mühe machen, das für mich nachzuschauen. Kein Zweifel, ich war wieder in einer anonymen Großstadt.

Da ich die Altstadt Jaffa bei einem vorherigen Besuch in Tel Aviv bereits erkundet hatte, wollte ich diesmal die neueren Viertel erkunden. Allerdings ist Tel Aviv nicht gerade reich an herausragenden Sehenswürdigkeiten. Zu den Highlights gehören unter anderem der erste Kiosk der Stadt, das Wohnhaus des ersten Bürgermeisters oder die erste hebräische Schule. Ich verbrachte daher den Großteil meiner Zeit am Strand oder testete verschiedene Falafel-Buden, bevor ich wieder zurück nach München flog.

Kein Falafel, sondern Sabich – Pita mit gegrillter Aubergine und Ei
Der Carmel Market ist einen Besuch wert

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