Aus den Läden erschallte arabische Musik, die Männer trugen lange Bärte und am Horizont konnte man die Wüstenlandschaft deutlich erkennen. Vieles erinnert einen hier mehr an den Mittleren Osten als an China. Die Schriftzeichen in Turpan, meiner nächsten Station entlang der Seidenstraße, waren jedoch mehrheitlich chinesisch. Der Ort ist bekannt als das Death Valley von China. Der tiefste Punkt liegt 150m unter dem Meeresspiegel und ringsherum ist Wüste. Da es aber einen kleinen Fluss sowie ein Wasserreservoir gibt, entwickelte sich hier ein Zwischenstopp auf der Seidenstraße.
Über diese Handelsrouten wurden früher nicht nur Seide, Schießpulver oder Gewürze gehandelt, sondern es gelangten auch zunächst der Buddhismus und später der Islam nach China und Wissen wurde ausgetauscht. Das schürte natürlich auch Probleme, wie wir sie heute von der Globalisierung kennen. Fun Fact: Seide wurde auch als Währung genutzt. Die Produktion von Geldmünzen war extrem aufwändig, das Herumtragen großer Mengen außerdem unpraktisch. Daher wurden Soldaten zum Teil mit Seide bezahlt.
Mein neuer Weggefährte Jonathan war schon in Turpan und wir trafen uns mittags, um als erstes ein Minarett zu besichtigen. Wir schafften es, vor einer chinesischen Reisegruppe dort anzukommen, so dass wir den Ort für eine halbe Stunde komplett für uns hatten.
Anschließend machten wir uns auf den Weg zu einer Ausgrabungsstätte, Jiaohe, die etwas außerhalb liegt. Zunächst fuhren wir mit einem lokalen Bus bis zur letzten Station. Dann liefen wir ein Stückchen und versuchten auf dem Weg entweder ein Taxi oder ein anderes Auto anzuhalten. Es dauerte nicht lange und wir wurden von einem freundlichen Chinesen 1km gefahren, bevor wir einen weiteren Chinesen anhielten, der uns bis zum Besucherzentrum brachte. Dort erfuhren wir, dass die Ausgrabungsstätte die älteste, am besten erhaltene und überhaupt großartigste der Welt wäre. Wie gut, dass ich einen Abstecher hierher eingeplant hatte. Die Ruinen war nicht ganz so beeindruckend wie angepriesen, erinnerten mich mit der sengenden Sonne jedoch an Petra in Jordanien. Tatsächlich sind beide Städte fast zur gleichen Zeit entstanden – ihre Geschichte ist schließlich jeweils eng mit der Entwicklung der Seidenstraße verbunden. Jiaohe wurde jedoch aus Lehm aufgebaut, was nicht ganz so wetterresistent ist wie die Bauweise der Nabatäer.



Am Abend widmeten wir uns unserer neuen Lieblingsbeschäftigung: Streetfood-Tasting. Wir starteten mit Gemüse- sowie Fleischspießen und machten jede Menge Photos bei der Zubereitung, die wir als sehr unterhaltsam empfanden. Die Köchin wiederum empfand unsere Begeisterung als sehr unterhaltsam, so dass wir schnell Kontakt knüpfen konnten. Nach diesem Appetizer gönnten wir uns noch Nudelsuppe an einem anderen Stand. Auch hier war die Zubereitung selbst spektakulär zu beobachten. Die Nudeln wurden frisch hergestellt und mit einer filigranen Technik zu einer langen, sehr dünnen Nudel gezogen, die nach dem Kochen etwas kleiner geschnitten wurde. Dass alles frisch war, schmeckte man auch. Wir waren uns schnell einig, dass dieser Koch mit seiner Technik in den USA und Deutschland prall gefüllte Restaurants eröffnen und Nudelsuppe für 15 Euro verkaufen könnte. In Turpan kostete es uns knapp einen Euro inkl. Tee.


Am nächsten Tag ging es weiter entlang der Seidenstraße nach Dunhuang. Die Fahrt führte durch eine karge Wüstenlandschaft mit unzähligen Windkraftanlagen. In der Provinz Xinjiang liegen 20% der Energiereserven des gesamten Landes. Es liegt an erster Stelle hinsichtlich fossiler Energieträger und an zweiter Stelle hinsichtlich der regenerativen Energiequellen Wind und Sonne. Im letzten Fünfjahresplan der Regierung in Peking wurde beschlossen, 100 Milliarden USD in den Bau von Windkraftanlagen zu investieren. Davon ist sicherlich ein Großteil in den Nordwesten geflossen.
Dunhuang ist eine weitere Oase, die einst von Händlern als Zwischenstopp genutzt wurde. Als Mönche den Buddhismus nach China brachten, wurde Dunhuang schnell eines der Zentren dieser neuen Religion. Um Glück für Handelskarawanen sowie das eigene Leben bzw. die späteren Leben zu erhalten, schlugen die Bewohner von Dunhuang insgesamt rund 500 Höhlen in einen Berg und verzierten diese aufwändig mit Wandmalereien und Buddha Statuen – darunter auch mit 34,5m die zweithöchste der Welt. Die Mogao Grotten sind inzwischen ein Hauptanziehungspunkt für chinesische Touristen und wurden von der UNESCO Weltkulturerbe als ausgezeichnet.
Die Höhlen sind tatsächlich sehr eindrucksvoll und da sie insgesamt über einen Zeitraum von ca. 800 Jahren erbaut wurden, spiegeln sie unterschiedliche Epochen wieder. In manchen Dynastien waren sehr schlanke Buddhas en vogue, während sie in anderen Dynastien wohlgenährter ausfallen. Unser Tour Guide erklärte einem Ehepaar aus Singapur und mir all diese Einzelheiten. Ohne Guide ist das Betreten der Grotten nicht erlaubt genauso wenig wie das Aufnehmen von Photos.
