Leben bei über 40°

Die Überschrift an sich lässt noch nicht darauf schließen, ob ich über Sommer in München oder meine ersten Tage in Jordanien berichte. Letzteres ist der Fall. Ich holte direkt an der Grenze einen Mietwagen – oder besser: mobile Sauna – ab, mit der ich seitdem durch das Land fahre. Das Auto hat eine Art Lüftungssystem, das aber ungefähr genauso warme Luft in mein Gesicht bläst wie ohne, so dass ich mit geöffnetem Fenster versuche, durch den Fahrtwind etwas herunterzukühlen.

In Jordanien fährt es sich eigentlich ganz leicht: Es gibt recht wenig Verkehr, die Straßen sind breit und man fährt meistens nur mit 60 km/h. Auch wenn manche Straße den Namen „Highway“ trägt, sollte man sich davon nicht zu hohen Geschwindigkeiten verleiten lassen. Unerwartet können überall Bremsschwellen, Schlaglöcher oder ein paar Ziegen warten. Das langsame Tempo hat aber den Vorteil, dass man umso mehr von der beeindruckenden Landschaft bestaunen kann.

In meiner ersten Station, Petra, machte ich mich zunächst mit der Umgebung vertraut, die von Bergen geprägt ist. Am nächsten Tag startete ich direkt in der Früh mit der Erkundung des Weltkulturerbes. Wie einst Händler, Kriegsherren oder Missionare, lief ich durch die Schlucht Siq, traf auf das bekannte Schatzhaus und machte dort erst einmal ausgiebig Photos.

Aber das war erst der Anfang: In insgesamt acht Stunden machte ich laut meines Smartphones 45.000 Schritte, davon 19% Treppenstufen. Das Theater, Kloster, das Grab des Römischen Soldaten, der Hohe Platz, … – als man mir am Abend einen Guide andrehen wollte, konnte ich alle Versuche gekonnt damit abwehren, dass ich überall schon gewesen war. Abgesehen von der schieren Größe und Weitläufigkeit der Stadt ist es aber vor allem die Landschaft, die mich beeindruckt hat. Inmitten von Schluchten und Bergen befand sich hier einst eine vitale Stadt, die alles zu bieten hatte, was man damals eben so brauchte. Das einzige, was mir in der Mittagshitze fehlte, war Schatten.

Das Kloster in Petra

Mit einem Sonnenbrand verließ ich Petra und fuhr in die Wüste Wadi Rum. Schon auf dem Weg musste ich zwei Mal anhalten, weil eine Kamelherde den Highway kreuzte. In der Wüste selbst machte ich zunächst eine Jeep Tour zum Camp und startete dann von dort aus einen kleinen Spaziergang. Zunächst war es mein Plan, den anliegenden Berg einmal zu umrunden. Ich habe dieses Unterfangen nicht umgesetzt. Zum einen weil ich bei gefühlten 50° und praller Sonne nicht nochmal einen Sonnenbrand wollte und zum anderen weil ich schon nach 200m auf eine Kamelherde traf. Die Kamele grasten ohne Begleitung ein paar kleine Büschel Gras ab. Nach einer kurzen Beschnupperung wurde ich von der Gruppe akzeptiert und begleitete sie daraufhin. Als wir eine Rast machten, brach Uneinigkeit darüber aus, wer neben wem sitzen darf. Ich mischte mich nicht ein, hatte aber das Gefühl, dass die friedliche Stimmung verdorben war, so dass ich mich lieber verabschiedete.

Spaziergang mit neuen Bekanntschaften

Ich ging noch ein Stückchen weiter, schaffte es aber wieder nicht um den Berg, weil diesmal eine Herde Schafe und Ziegen von einem Beduinen duch die Wüste getrieben wurde. Ich hielt etwas Abstand, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass ich eines der Tiere mitnehmen wolle. Auch sie suchten geflissentlich die wenigen Grasbüschel ab, die mehr oder weniger verdorrt zwischen dem Sand wachsen.

Eine solch hohe Dichte an Tieren hatte ich in der Wüste nicht erwartet. Es leben 120 unterschiedliche Arten – darunter auch noch Wölfe und Skorpione in der Wadi Rum. Ein paar Grasbüschel reichen offensichtlich aus. Diese Erkenntnis machte mir auch Mut für den Fall, dass 40° für den deutschen Sommer Normalzustand werden. Es war nur ein kurzer Aufenthalt in der Wüste für mich. Am nächsten Tag ging es für mich schon weiter zum Dana Biosphären Reservat.

Beduine, Besitzer von mindestens 20 Kamelen

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