Reise nach Jerusalem

Drei Zahlen:

3 – Geburtenrate in Israel

8 – Geburtenrate orthodoxer Juden in Israel

16% – Anteil orthodoxer Juden an der Gesamtbevölkerung

— Quelle: Deutsche Botschaft, Tel Aviv

Zusammen mit zwei anderen Nationalspielerinnen fuhr ich nach der EM als erstes nach Jerusalem. Der Anteil orthodoxer Juden ist hier besonders hoch. Jerusalem empfing uns aber vor allem als eine Mischung unterschiedlicher Religionen. Mal ruft der Muezzin die Muslime zum Gebet. Mal hört man christliche Chöre. In der Altstadt sind es nur wenige Meter vom jüdischen Viertel, zum christlichen, dann zum muslimischen und zum armenischen.

Der Shabbat gilt jedoch für die meisten Sehenswürdigkeiten, so dass uns an unserem ersten und einzigen vollständigen Tag nicht viel Auswahl blieb. Wir entschieden uns für die Davidszitadelle, die uns nicht enttäuschte und einen sehr guten Überblick zur Geschichte Jerusalems gibt. Ebenso gut machbar am Shabbat ist eine Walking Tour der Via Dolorosa. Um den letzten Weg von Jesus vor der Kreuzigung besonders gut nachempfinden zu können, kann man sich sogar Kreuze ausleihen. Wir waren uns aber schnell einig, dass wir das nicht brauchen, sondern einzig den Informationen aus der Audio Guide Jerusalem App lauschen möchten.

Die Davidszitadelle – fun fact: David war niemals hier

Als schwieriger erwies sich die Essensbeschaffung. Im Reiseführer suchten wir uns ein Restaurant aus, checkten auf Google, ob es Hinweise auf den Shabbat gab, was nicht der Fall war. Als Back-Up fanden wir im Reiseführer sogar noch weitere hervorragende Restaurants in unmittelbarer Umgebung. Frohen Mutes zogen wir also los. Während wir uns dem Restaurant näherten, stieg der Hunger in gleichem Maße wie der Anteil orthodoxer Juden auf der Straße – kein gutes Zeichen. Ohne es zu wissen, befanden wir uns in einem Stadtteil, der am Shabbat komplett ausgestorben war.

Da im Reiseführer auch Attacken mit Windeln auf westliche Touristen erwähnt werden, traten wir lieber den geordneten Rückzug an. Nach einer Marschleistung von etwa einer halben Stunde, in der wir übrigens nicht attackiert worden sind, erblickten wir wieder geöffnete Restaurants und die Stimmung stieg.

Ein Besuch auf dem Tempelberg am Sonntag Morgen rundete die Reise nach Jerusalem ab. Der Tempelberg, einst wichtigstes Zentrum der Juden, gehört heutzutage den Muslimen und darf von Juden nicht betreten werden. An kaum einem Ort werden einem die Rivalitäten der Religionen so bewusst wie wir. Eindrucksvoll ist der Besuch dennoch.

Der letzte Eindruck, den ich von Jerusalem gewann, war leider ein negativer. Vor meiner Fahrt nach Jordanien wollte ich noch ein paar Schekel in Jordanische Dinare umtauschen. Beim Umtauschen stellte sich jedoch heraus, das ein 50 Schekel Schein, den ich von einem Taxi-Fahrer bekommen hatte, Falschgeld war. Ich erinnerte mich noch an den Moment, an dem ich als Rückgeld zwei 50 NIS Scheine erhalten hatte. Das Papier hatte sich so neu angefühlt. Ich hatte kurz geprüft, ob ein Wasserzeichen drauf war, was der Fall war. Der Schein wurde als Falschgeld markiert und das Geld war für mich futsch.

Die Klagemauer ist Sonntag in der Früh in jüdischer Hand

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